Kunstmuseum Singen

Erich Heckel (1883-1970) im Kunstmuseum Singen
Der Gletscher, 1955


Erich Heckel, Der Gletscher, 1955
Tempera auf Leinwand, 87 x 96 cm
Kunstmuseum Singen, (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2018


Eine rege Reisetätigkeit nach Süddeutschland, in die Schweiz, nach Österreich und Italien begleitete und formte Erich Heckels biographisch-künstlerische Entwicklung seit den 20er Jahren. Während seiner Tätigkeit als Lehrer der Karlsruher Akademie in den Jahren seit 1948 bildete der Rückzug in abgeschiedene Landschaftsräume einen wichtigen Gegenpol zum urbanen Dasein.

Vor dem Hintergrund alpiner Naturerfahrung während einer Reise ins Tessin entstand 1955 das großformatige Gletscherbild, welches von der Faszination des Künstlers für die imposante Bergwelt der Hochalpen kündet und der Serie der Berglandschaften aus dem Spätwerk zugehört. In formatfüllender Aufgipfelung und bewusster Reduktion der Formen und Farben konfrontiert uns das Gemälde mit der gewaltigen Monumentalität und stillen Erhabenheit der archaischen Naturkulisse. Der breite Gletscherstrom hält in blendender Helligkeit direkt auf den Betrachter zu und bezieht ihn in das grandiose Bildgeschehen mit ein.

Die Komposition darf als hervorragendes Beispiel für den beruhigten Spätstil des Hauptvertreters der ersten Expressionistengeneration gelten. Das zurückhaltende, vorrangig aus matten Tonwerten entwickelte Kolorit, die Beschränkung auf wenige, großzügig stilisierte Flächenformen und die schlichte Symmetrie des Bildausschnittes prägen die sensible, feinfühlig abgestimmte Bildsprache.

Es ist damit exemplarisch für Heckels ganzheitliche Naturanschauung sowie die seit Anfängen seines Schaffens vorherrschende Neigung zu weiten Landschaftsräumen, die er mit poetisch sensibler Gefühlstimmung auflädt.

 

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