Kunstmuseum Singen

26.07. BIS 20.09.2026
ZUSAMMENSPIEL.

Die Höri-Künstler.


VERNISSAGE: SO, 26.07.2026, 11:30 UHR
EINLADUNG
 

Die Bodenseehalbinsel Höri ist seit dem frühen 20. Jahrhundert ein Ort des künstlerischen Zusammenspiels. Hier lebten und arbeiteten Künstlerinnen und Künstler wie Hermann Hesse oder Walter Waentig, später u.a. Max Ackermann, Curth Georg Becker, Otto Dix, Erich Heckel, Walter Herzger, Gertraud Herzger-von Harlessem, Helmuth Macke, Ferdinand Macketanz, Ilse Schmitz, Rose Marie Schnorrenberg und Rudolf Stuckert. Sie kamen auf der Suche nach einem nahen Paradies an den Bodensee, ersehnten Naturverbundenheit oder mussten ab 1933 mit der Machtergreifung des nationalsozialistischen Regimes Schutz an der Schweizer Grenze suchen. Dabei entstanden vielschichtige Netzwerke persönlicher Beziehungen, gemeinsamer Interessen und mitunter auch gemeinsamer Schicksale – niemals jedoch eine Künstlerkolonie im klassischen Sinne. Gerade aufgrund ihrer unterschiedlichen künstlerischen Positionen prägten sie als offenes Netzwerk die Kunst- und Kulturlandschaft der Region nachhaltig – von der Höri aus über die »Singener Kunstausstellungen« ab 1947 bis hin zu ihren späteren Berufungen an Kunstakademien in Stuttgart und Karlsruhe. 

Mit der aktuellen Ausstellung greift das Kunstmuseum Singen den Gedanken des Zusammenspiels auf und eröffnet dabei zugleich einen neuen Zugang zu diesem besonderen Schwerpunkt der eigenen Sammlung. Im Erdgeschoss richtet sich die Ausstellung ganz bewusst auch an ein jüngeres Publikum und an Familien. Spielerische Stationen laden dazu ein, Kunst nicht nur zu betrachten, sondern selbst aktiv zu erfahren oder gar mitzumachen. Begleitend erscheint das erste Kinderbuch des Kunstmuseums, das mit Geschichten, Rätseln und Mitmachideen dazu einlädt, die Höri-Künstler und ihre Geschichten sowohl in der Ausstellung als auch über den Museumsbesuch hinaus zu entdecken. 

Im Obergeschoss entfaltet sich die Vielseitigkeit der Höri-Künstler anhand ausgewählter Arbeiten auf Papier. Die Vielfalt künstlerischer Techniken und individuelle Stilmerkmale fordern den aufmerksamen Blick der Besucher:innen heraus: Ein Zusammenspiel von Zeichnungen, Druckgrafiken und Aquarellen. 

Doch nicht nur die Höri-Künstler, auch der Singener Stadtbaumeister Hannes Ott (im Amt von 1953 bis 1981) und der ehemalige Oberbürgermeister Theopont Dietz (von 1946 bis 1969) zeigen, welche Kraft im Zusammenspiel liegen kann: Gemeinsam prägten sie den städtebaulichen Umbau Singens und verliehen der Stadt in den Nachkriegsjahrzehnten ein neues, modernes Gesicht. Dies ging Hand in Hand mit ihrem außergewöhnlichen Engagement für die Kunst. Der Dokumentarfilm »Singen und die Visionen von Hannes Ott« von Günter Vlieckx im ›Kubus‹ des Museums erzählt von Otts Wirken und schlägt zugleich die Brücke zu Otto Dix' einzig erhaltenem Wandbild »Krieg und Frieden« (1960) im Singener Rathaus, das während der Sommermonate an den Wochenenden besichtigt werden kann. 

»Zusammenspiel. Die Höri-Künstler.« verbindet Vergangenheit und Gegenwart, Kunst und Stadtraum sowie Sehen, Spielen und Entdecken. Die Ausstellung lädt dazu ein, Kunst nicht nur zu betrachten, sondern gemeinsam zu erleben, verschiedene Perspektiven einzunehmen und die kulturellen Spuren der Höri-Künstler weit über die Museumsräume hinaus zu erkunden.