Kunstmuseum Singen

Erich Heckel (1883-1970) im Kunstmuseum Singen


Erich Heckel, Bildnis Otto Dix, 1948
Lithographie, 30,1 x 30,1 cm
Kunstmuseum Singen, (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2018


Nach der Zerstörung seines Berliner Ateliers siedelte Erich Heckel im Mai 1944 auf Empfehlung des befreundeten Kunsthistorikers Walter Kaesbach nach Hemmenhofen auf die Bodenseehalbinsel Höri über, wo er 1953 ein eigenes Haus bezog. Zu seinen prominenten Nachbarn gehörte Otto Dix – wie er ein Künstler, der in schwierigen Zeiten gezwungenermaßen das Großstadtleben gegen den Zufluchtsort der Bodenseeregion eintauschte.

Mit feinnervigem Liniengestus der Lithokreide hält Heckel das Antlitz des Schicksalsgefährten im vorliegenden Blatt fest. Unter Verzicht auf plastische Modellierungen reduziert sich die Physiognomie des Dargestellten auf eine sparsame Kontur- und Binnenzeichnung, woraus eine flächenvereinfachte Bildwirkung resultiert. Eingespannt in das Kräftefeld zwischen Fensterkreuz und Blumenornament tritt uns Dix` Portrait in Form eines klassischen Brustbildes in leichtem Profil entgegen, nahsichtig erfasst und aus der Mittelachse nach links gerückt. Mit kritisch distanziertem Blick fixiert Dix den Betrachter.

Die fragile Liniensprache verleiht ihm eine transparente Erscheinung, die effektvoll mit der kräftigen Schwarz-Weiß-Kulisse der großen Blattpflanze im rechten Hintergrund – ein typisches Bildmotiv der Heckelschen Nachkriegsmalerei – kontrastiert. Die traditionellen Attribute des Künstlertums wie Pinsel und Palette bleiben ausgeblendet; Heckel will den Malerkollegen nicht als Schöpfer, sondern als Menschen verstanden wissen.

In Ermangelung einer Druckpresse in Hemmenhofen nutze Heckel in den Jahren 1948 und 1949 die Gelegenheit, seine Arbeiten in der Graphik- und Buchedition des Arztes Dr. Lovis Gremliza in Schwenningen, der sogenannten Lovis-Presse, drucken zu lassen. In der Zeit zwischen Oktober 1948 und Januar 1949 entstanden insgesamt neun Lithographien.

Aus dieser Serie stammt das vorliegende Blatt im Zustand II, welches 1976 aus dem Nachlass des Künstlers für die Singener Sammlung erworben werden konnte. Otto Dix wiederum hielt Heckels Portrait 1947 in einem Gemälde fest (Löffler 1947/6).

In Heckels Arbeiten der 40er und 50er Jahre hat sich der radikale Impetus des „Brücke“ - Expressionismus entschieden beruhigt und weicht einer abgeklärten, schlichten und lapidaren, sehr viel stärker realitätsbezogenen Herangehensweise an die Ding.

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