Kunstmuseum Singen

Curth Georg Becker (1904-1972) im Kunstmuseum Singen


Curth Georg Becker, Häuser in Le Brusc, 1931
Öl auf Leinwand, 34 x 45 cm 
Kunstmuseum Singen, (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2018


1943 vernichteten Fliegerbomben Beckers Berliner Wohnung. Ein Großteil seines frühen Oeuvres ging verloren. So ist denn das kleine Tafelbild, das im Zusammenhang einer Reise mit den Malerfreunden Werner Gilles (1894- 1961) und Joseph Pieper (1907-1971) von Paris aus nach Le Brusc entstand, eine kostbare Rarität.

Hans Purrmann (1880-1966), den die Freunde in Sanary antrafen, schrieb 1961: „Bald machte ich [Purrmann], neugierig geworden, einen Besuch in Le Brusc. Freundlich aufgenommen zeigte man mir, was mich interessieren konnte, vor allem aber das, was an Kunst bisher von allen diesen Künstlern geleistet wurde. Eine intelligent aufgebaute Arbeitsgemeinschaft, ich zögere nicht, es eine Art freie Akademie zu nennen, ... [alle] gleich diszipliniert und auf einer gleich hohen menschlichen und geistigen Stufe. ... Da waren Arbeiten von Curth Georg Becker, sensibel und in feinen und seltenen grauen Farbskalen, die durchaus einem starken Darstellungsdrang untergeordnet waren.“ Das Bild (WVZ G 53), von Becker irrtümlich „Le Brusque“ bezeichnet, gehört zu diesen Arbeiten. Tatsächlich ordnen sich die unkörperlich, flächig und kürzelhaft wiedergegebenen Gegenstände den differenzierten Licht- und Tonwerten, der lockeren, gerichteten Pinselführung und der raffinierten Über-Eck- und Flächenkomposition erkennbar unter. Eher impressionistisch zu nennende Bildelemente konkurrieren mit einer expressiven Bildauffassung rheinischer Prägung, wie sie Becker an der Düsseldorfer Akademie, insbesondere über seinen Lehrer Heinrich Nauen (1880– 1940), kennengelernt hatte. Seine Lebendigkeit bezieht das Bild aus den hell aufleuchtenden, kontrastierenden Gelb- und Rosaflächen, die in die „feinen und seltenen grauen Farbskalen“, changierend ins Blau, Grün und Weiß, eingestreut sind.

Das Werk steht für Beckers und seiner Freunde Intention, „immer abstrakter zu werden“ (Werner Gilles), ohne aber den Gegenstand jemals ganz aufzugeben. Vielmehr sollte der Gegenstand neu aus dem Geist der Moderne und allein aus den Mitteln der Malerei gewonnen werden.

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