Kunstmuseum Singen

Curth Georg Becker (1904-1972) im Kunstmuseum Singen


Curth Georg Becker, Montagnola, um 1959/60
Aquarell auf Bleistift, 47 x 61,5 cm
Kunstmuseum Singen, (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2018


In den späten Lebensjahren 1958 bis 1966 wurde der Ort Montagnola im Tessin für den Singener Maler Curth Georg Becker zur zweiten Heimat und zu einem bevorzugten Refugium, fernab der Verpflichtungen in Süddeutschland, wo ihn zahlreiche Großaufträge für Wandbilder und Glasfenster sowie die künstlerische Leitung der "Singener Kunstausstellungen" beanspruchten. Becker hatte das ruhige Bergdorf oberhalb Lugano durch einen Besuch bei seinem langjährigen Künstlerfreund Hans Purrmann kennen gelernt und sich dort ein eigenes Atelier in der "Casa Gilardi" eingerichtet.

Seine starke Faszination für die grandiose Landschaft, das milde Klima und die üppige Vegetation artikuliert sich eindrucksvoll in einer Fülle von Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen. In ihnen ist der Blick auf die Naturkulisse in ein spannungsreiches Wechselspiel reiner Farbkontraste und mosaikartig aufgelöster Flächenstrukturen übersetzt. Unmittelbare Naturbeobachtung, innere Empfindung und formale Experimentierfreude ergänzen sich zu einer autonomen Bildkonstruktion mit lebhaft expressivem und zugleich poetisch-lyrischem Ausdrucksgehalt. Mittels rigoroser Zerlegung des Motivs in geometrisch abstrahierte Einzelformen, kristalline Farbsplitter und scharfkantig umgrenzte Lichtfragmente unterschiedlicher Größe und Positionierung wandelt sich die breitgelagerte Panoramasicht zu einem gleichsam architektonisch-konstruktiv gebauten Licht-Klangraum, erfüllt von einer Synthese aus Helligkeit, Leichtigkeit, Ruhe und Harmonie, Ausgleich und Stille.

Das Thema Landschaft bildet einen zentralen und konstanten Bestandteil in Beckers Gesamtoevre. Stets betonte er den heiter-gelösten Grundgedanken seiner flachen- und farbdekorativen Bildwelten, die für ihn ein "Fest für das Auge" und "wie ein Gedicht" sein sollten.

Die ausgeprägte Affinität zur durchgeistigten, vom Naturvorbild radikal abgerückten Bildorganisation, formulierte Curth Georg Becker mit den Worten: "Ein Gemälde lebt von der Schönheit des Farbenklanges auf der Fläche". Ihren besonderen optischen Reiz beziehen Beckers brillante Bildschöpfungen aus dem Schwebezustand zwischen erlebter Gegenständlichkeit und gesuchter Abstraktion. Nachhaltige Einflüsse und entscheidende Impulse erhielt die Stilentwicklung durch die Begegnung mit Werken von Cézanne, Matisse und Picasso sowie durch das Studium an der Düsseldorfer Akademie, wo er sich als Meisterschüler von Heinrich Nauen in den Jahren 1926 bis 1928 die ausdrucksgeladenen Eigengesetzlichkeiten von Form und Farbe erschloss. 

Vor allem in den Bildlösungen der 50er und 60er Jahre standen Fragen der formalästhetischen Gestaltung im Zentrum der künstlerischen Intention Curth Georg Beckers. Gleichwohl unternahm Becker in seiner Kunst nie den Schritt in die völlige Abstraktion, sondern hielt stets Bezüge zur sichtbaren Wirklichkeit aufrecht. 

Das 1973 für die städtische Kunstsammlung erworbene Blatt "Montagnola" stellt einen Höhepunkt innerhalb des umfangreichen Landschaftswerkes Curth Georg Beckers dar. 

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