Kunstmuseum Singen

Jean Paul Schmitz (1899-1970) im Kunstmuseum Singen
Winter am Untersee, 1952


Jean Paul Schmitz, Winter am Untersee, 1952
Öl auf Leinwand, 46,2 x 61 cm
Kunstmuseum Singen, (c) Jean Paul Schmitz


Von einem leicht überhöhten Standort fällt der weite Blick über die winterliche Naturkulisse am Untersee auf das Schweizer Ufer nahe Steckborn. Dargestellt ist der Ort Wangen auf der Halbinsel Höri, wo der aus dem Rheinland stammende Maler und Grafiker Jean Paul Schmitz seit 1949 lebte und tätig war.

Der Zweite Weltkrieg hatte der zuvor in Berlin ansässige Künstler zusammen mit seiner Frau, Ilse Schmitz, geborene Pieper, im Südschwarzwald überstanden. Am Bodensee setzte sich Jean Paul Schmitz intensiv mit der neuen Umgebung auseinander und schuf zahlreiche Landschaftskompositionen, die den Schwerpunkt seines Gesamtwerkes bilden. Wie für die übrigen Höri-Künstler Otto Dix, Erich Heckel, Walter Herzger, Rudolf Stuckert u.a. bedeutet die stille Abgeschiedenheit in der Bodenseeregion für Schmitz in der ersten Nachkriegsjahren eine unerschöpfliche Inspirationsquelle und ein reizvoller Ort des Neuanfangs.

In seinen Naturstudien klingen die Leichtigkeit und Helligkeit der mediterranen Landschaften nach, die Schmitz während der 20er und 30er Jahre in Italien und Griechenland wiederholt bereist hatte. Vor allem die lichtdurchflutete Farbigkeit als Inbegriff südländischer Naturerfahrung prägt wesentlich den Ausdrucksgehalt der 1952 entstandenen Arbeit "Winter am Untersee". "Man preist mit Recht die Sonne Homers, die Helligkeit Griechenlands. Ähnliches finden wir auch hier am See, in der hellsten deutschen Landschaft. Die Motive hier zwingen deshalb schon zu aufgehellter Farbigkeit, und ich bemühe mich, ihnen gerecht zu werden", erläuterte Jean Paul Schmitz die elementare Bedeutung des Lichts für seine Bildsprache.

Mit seiner licht-, Luft- und farbdurchatmeten Landschaftsschilderung entwirft Jean Paul Schmitz kein schwermütiges Bild winterlicher Trostlosigkeit, sondern feiert vielmehr die Schönheit der Landschaft und beschwört nicht zuletzt die Vorstellung eines kraftvollen künstlerischen Neubeginns nach Ende des Krieges. 

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