Kunstmuseum Singen

Curth Georg Becker (1904-1972) im Kunstmuseum Singen


Curth Georg Becker, Portrait Hans Purrmann, 1960/61
Öl und Kohle auf Leinwand, 116,1 x 89 cm
Kunstmuseum Singen, (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2018


Beckers Bildnis, für das er den repräsentativen Typus des Kniestücks wählte, ist nicht, wie man vielleicht meinen könnte, ein Auftragswerk, sondern seine Hommage an den achtzigjährigen Malerkollegen Hans Purrmann (1880-1966), den „schönen alten Mann“ (Becker) und „letzten Grandseigneur“ (HAP Grieshaber) seiner Zunft, den Becker so sehr schätzte und verehrte.

Ihn, mit dem er sich in der Bewunderung französischer Malkultur eins wusste, besuchte Becker gern und häufig in Montagnola (Tessin). Das Bild entstand dort; an jenem Ort südlichen Lichts, der Becker Zuflucht und Inspiration war. In seinem Tagebuch vermerkte er: „Donnerstagmorgen 24. Nov. 10 Uhr zweite Portraitsitzung / Purrmann ist vergnügt – sitzt in einer belebenden Aufmerksamkeit; das kann nur ein Maler wie er – er tut alles, um die Arbeit einfach zu machen.“

Von der Inspiration und Leichtigkeit, die in der Notiz anklingen, kündet auch das fertiggestellte Gemälde. Hellweiß gekleidet, das Gewand in eine Vielzahl farblicher Valeurs und ornamentaler Strukturen aufgelöst, zeigt Becker den führenden Vertreter einer erlesenen, lyrisch-gegenständlichen Malerei aus dem Geist Henri Matisses vor einem dekorativen, reich ornamentierten Hintergrund, der ihn im Sinne einer barocken Draperie umfängt.

Die aufrechte Haltung, die ideale Wiedergabe des Kopfes im seitlichen Profil, die lebhaft sprechenden Gebärden der Hände mit fein überlängten Fingern und die grün aufleuchtenden Augen charakterisieren Purrmann als einen durchgeistigten Menschen. Kurze, vertikale Pinselstriche verleihen dem Gesicht ein Zug nach oben; ziehen den Betrachterblick hinauf. Ganz offensichtlich sucht Becker die individuellen Merkmale Purrmanns in ein Ideal von Schönheit, Weisheit und menschlicher Bedeutung umzuformen.

Das Gemälde ist ein Hauptwerk des Singener Malers. Becker erreicht hier jene „bonne peinture“ aus dem Geist der „großen Dekoration“ (Henri Matisse), in der sich gegenständliche Figuration, lyrische Abstraktion und das Leuchtlicht farbiger Flächen zu einer vollständigen Einheit zusammenfinden: „Das Bild soll ein Fest für das Auge sein“ (Becker).

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