Kunstmuseum Singen

Otto Dix (1891-1969) im Kunstmuseum Singen


Otto Dix, Hohentwiel, 1944
Mischtechnik (Tempera- und Ölmalerei über Vorzeichnung)
auf grundierter Leinwand auf Holz, 100 x 80 cm
Kunstmuseum Singen, (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2018


Im Spätsommer 1947 war in der Singener Ekkehardschule jene legendäre Ausstellung „Malerei im Hegau und am Untersee“ zu sehen, die als erste der von Anfang weit in die Region ausstrahlenden „Singener Kunstausstellungen“ gezählt wird. Das damals in der Ausstellung gezeigte Gemälde befindet sich in der Sammlung des Kunstmuseums inzwischen wieder in Singen.

Sowohl das Bild selbst, wie auch dessen Abbildung sind in mehrfacher Hinsicht interessant für das Wechselspiel von Nähe und Distanz zwischen Otto Dix und der Stadt Singen. Lange Jahre hatte sich der von 1933 bis 1936 in Randegg, dann in Hemmenhofen lebende Maler allein auf die Darstellung der Landschaften in seiner näheren Umgebung konzentriert und die Zentralstädte Konstanz und Singen eher gemieden. Der Kegel des Hohentwiels erscheint in den altmeisterlichen Gemälden der 1930er Jahre stets im Dunst oder in unerreichbar weiter Ferne. „Hohentwiel“ (1944) ist die erste „Nahsicht“ in Dix´ Schaffen.

Wiederholt sind die dramatischen, kontrastreichen Lichterscheinungen in Dix´ Landschaften als Einkleidungen für den Wunsch nach Überwindung aller Bedrängnisse für den in der „inneren Emigration“ lebenden Künstler ausgedeutet worden. Tatsächlich sprach Dix selbst davon, er, der Maler der Großstadt, sei in die Landschaft „verbannt“ worden. Gerade die Tatsache, dass sich Dix von seinen, für die katholisch-kleinstädtisch geprägte Stadt Singen problematischen Großstadt-, Huren- und Kriegsbildern der 1920er Jahre ab- und der Landschaft vor Ort zugewandt und diese dann – obschon zunächst unfreiwillig – so ausgiebig dargestellt hatte, machte ihn in den Augen der auf Versöhnung zielenden Kulturvermittler zum großen Maler des Hegaus und des Untersees.

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