Während des Ausstellungsumbaus bleibt das Kunstmuseum Singen geschlossen.
Die Bodenseehalbinsel Höri ist seit dem frühen 20. Jahrhundert ein Ort des künstlerischen Zusammenspiels. Hier lebten und arbeiteten Künstlerinnen und Künstler wie Hermann Hesse, Max Ackermann, Curth Georg Becker, Otto Dix, Erich Heckel und Rose Marie Schnorrenberg. Sie kamen auf der Suche nach einem nahen Paradies an den Bodensee, ersehnten Naturverbundenheit oder fanden ab 1933 an der Schweizer Grenze Schutz.
Dabei entstanden Netzwerke persönlicher Beziehungen, verbindender Interessen und geemeinsamer Schicksale – jedoch keine Künstlerkolonie im klassischen Sinne. Als offenes Netzwerk prägten die Höri-Künstler die Kunst- und Kulturlandschaft der Region nachhaltig: von der Höri über die »Singener Kunstausstellungen« ab 1947 bis hin zu Berufungen an die Kunstakademien in Stuttgart und Karlsruhe.
Mit »Zusammenspiel. Die Höri-Künstler.« eröffnet das Kunstmuseum Singen neue Zugänge zu diesem Schwerpunkt der eigenen Sammlung. Im Erdgeschoss richtet sich die Ausstellung auch an ein jüngeres Publikum und an Familien. Spielerische Stationen machen Kunst aktiv erfahrbar; begleitend erscheint das erste Kinderbuch des Kunstmuseums. Im Obergeschoss zeigen Arbeiten auf Papier die Vielseitigkeit der Höri-Künstler. Ein Dokumentarfilm von Günter Vlieckx im Kubus zeigt zudem, wie der Stadtbaumeister Hannes Ott und der Oberbürgermeister Theopont Dietz den städtebaulichen Umbau Singens in den Nachkriegsjahrzehnten prägten und mit Engagement für die Kunst verbanden.
Die Ausstellung »Cantina Comunale« widmet sich dem aus Karlsruhe stammenden und in Singen lebenden Künstler Harald F. Müller, der auch im öffentlichen Raum Singens prominent vertretenen ist, so u.a. mit seinem Schriftzug »Singen« (2000).
Der Titel der Ausstellung stellt die in vielfältiger Weise kollaborative Arbeitsweise des Künstlers ins Zentrum und formuliert zugleich das Versprechen, mit der Ausstellung einen Ort für das Zusammenkommen, für gemeinsame Erfahrungen und den damit verbundenen Austausch zu erschaffen. So wird im Erdgeschoss des Kunstmuseums ein großer Tisch zum Austragungsort für ein vielfältiges Programm, in dem sich Essen, Trinken und geistige Nahrung verbinden; Gastgebende und Gäste verschmelzen zu illustren Tischgemeinschaften.
Darüber hinaus präsentiert Harald F. Müller im Kunstmuseum ältere wie neue Arbeiten. Sie umfassen Videos, Schriften, Assemblagen, Wandobjekte und Fotografien seiner ortsbezogenen Farbinterventionen an- oder in Architektur und stellen so eine große Bandbreite seiner künstlerischen Arbeitsweisen vor. Deutlich tritt dabei stets die konzeptuelle Auseinandersetzung Harald F. Müllers mit Raum als sozialer Praxis, bzw. als kollaborative Handlung hervor. Auch in diesem Teil der Ausstellung bietet »Cantina Comunale« einen produktiven Rahmen der Auseinandersetzung.