Kunstmuseum Singen

Max Ackermann (1887-1975) im Kunstmuseum Singen


Max Ackermann, Inseln III, 1957
Öl auf Holz, 118,5 x 55,7 cm 
Kunstmuseum Singen, (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2018


Als Feriengast kam der Berliner Maler und Grafiker erstmals 1932 auf die Höri. 1933 zog er sich dorthin in die >innere Emigration< zurück.

Während der Zeit der nationalsozialistischen Kunstdiktatur war Max Ackermann künstlerisch fast ganz auf sich allein gestellt. So ist es eine besondere Leistung, dass der Schüler Adolf Hölzels (1853-1934) seinen Weg in die "absolute Malerei" (Ackermann) im Verborgenen eigenständig fortgesetzt hat. Er war der einzige Künstler des Höri-Kreises, der sich bereits vor dem Kriege von der gegenständlichen Malerei gelöst hatte, auch wenn er lange Zeit zugleich gegenständlich wie abstrakt gezeichnet und gemalt hatte. 1957 kehrte der Maler, der sich am Bodensee zunehmend isolierter fühlte, der Höri endgültig den Rücken und zog nach Stuttgart, damals ein Zentrum der Abstraktion, zurück.

"Inseln III" entstand im Jahr des Aufbruchs und zeigt Ackermanns Kunst voll entfaltet. Bereits das schmale, hohe Bildformat ist typisch. In diesem können sich die Komposition und die Bildelemente gerichtet nach oben und musikalisch-rhythmisch entwickeln, wodurch sie sich wechselseitig steigern. Waren in seinen turmartigen Kompositionen der dreißiger Jahre die malerischen Elemente sämtlich noch grafisch verbunden, so verspannt er in den fünfziger Jahren seine sorgsam proportionierten und gruppierten Farbformen dynamisch und kompositionell mit großzügig aufeinander bezogenen "Kraftlinien" aus gedachten Kurven, Bögen und Diagonalen.

Der farbige Grund dient als "Resonanzboden", vor dem sich die Komposition farbharmonisch, in anderen Beispielen kontrastierend entwickelt. In "Inseln III" bildet ein großer Bogen als imaginäre Kraftlinie das aufstrebende Kompositionsgerüst, in das sich alle Bildelemente in additiver Reihung einzelner Akzente fügen. Die Entwicklung seiner Bilder aus Form, Farbe und Bewegung setzte Ackermann wiederholt in Analogie zur musikalischen Dynamik, um deren Harmonie und Gesetzmäßigkeit zu verdeutlichen. Die Malerei ist kultiviert und hoch gestimmt: "Die neue Malerei will nur Malerei sein. Sie will keine Abbilder und keine Schaubilder. Das neue Bild lebt von den Kräften, die in den Gestaltungselementen liegen. Die Kraft der Farbe ist voller Wunder und Schönheit. In der Farbe liegen alle Kontrast-Variationsmöglichkeiten. ( ) Fragt nicht, wenn ihr ein neuzeitliches Gemälde seht, was stellt es dar, sondern was drückt es aus und wie ist es gemacht!" (Ackermann, 1946).

Wie viele ungegenständlich arbeitende Künstler seiner Zeit, so war auch Ackermann davon überzeugt, nicht gegen die sichtbare Natur zu arbeiten, sondern - in der Tradition der Klassiker - ihr Wesen zu erfassen.

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