Kunstmuseum Singen

Otto Dix (1891-1969) im Kunstmuseum Singen


Otto Dix, Grüne Landschaft, 1948
Öl auf Karton, 50,5 x 78,5 cm 
Kunstmuseum Singen, (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2018


Obgleich sich Otto Dix selbst noch 1965 als "Menschenmaler" und wenig interessiert an der Landschaftsmalerei bezeichnete, so waren in der Zeit von 1933 bis 1969 die Darstellungen des Hegaus und des Bodensees doch zum künstlerisch bedeutenden und zahlenmäßig umfangreichsten Motiv geworden.

Verblüffend bleibt, wie Dix um 1945 zügig, nach seiner Rückkehr aus französischer Kriegsgefangenschaft 1946 endgültig von der altmeisterlichen Temperamalerei abrückte und zur spätexpressionistischen Ölmalerei überwechselte. Es ist eine Besonderheit des Dix`schen Werks, dass sich historische Wendepunkte der deutschen Geschichte stets in Stil-, Motiv- und Technikwechseln niederschlugen. Zum letzten Wandel schrieb Otto Dix in einem Brief an Ernst Bursche 1944 selbst: "Die veränderte >Technik< (das Wort ist ganz falsch, es ist eigentlich eine neue Art von Sachen, die bei mir eingesetzt hat) erzeugt viele und seltsame Blüten. Auf jeden Fall ist festzustellen: 1. Ist die Malerei spontaner geworden (...); 2. Es wird alles gröber, Gott sei Dank. Ich habe die letzten zwanzig Jahre viel zu spitzwinkelig gemalt und komme nun wieder auf die Zeit meines ersten Kriegsbildes (1913) zurück, also eine Art Entfesselung tritt ein. 3. Das formal Räumliche weicht dem farblich Räumlichen und die Farben fangen an, >Klänge< zu bilden; 4. Ich werfe nach Belieben alle Idealkompositionen, Goldenen Schnitt und all den Renaissancekram über Bord und male >entfesselt<. (...) die Bilder haben trotz der Entfesselung mehr >Form<."

Das Gemälde "Grüne Landschaft", in dem Dix zum wiederholten Male die Hegauberge in überhöhter Fernsicht darstellt, ist ein reifes Werk dieser Phase und zeigt Dix`Spätexpressionismus voll entfaltet. Alle Details und alle Verfahren klassischer Perspektive sind weggelassen. Dix konzentriert sich auf die Charakteristika der Hegaulandschaft: auf den sanft-bewegten Fluss der Hügel und auf einzelne, steil aufragende Vulkankegel. Großzügig, mit kraftvoll konturierten Linien und in großen farbigen Feldern, werden sie als Form erfasst. Die Landschaft wird zum Versuchsfeld formaler Überlegungen, mit denen sich der Maler das selbstverständlich gewordene Motiv neu erobert.

Charakteristisch für den Spätexpressionismus ist die verhaltene, dunkle Tonigkeit der Farben im Gegensatz zur reinen Farbigkeit der deutschen Expressionisten der ersten Generation, denen Dix in den 1910er Jahren selbst angehört hatte. 

Diese Webseite verwendet Vimeo-Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Mit der Nutzung unserer Webseite stimmen Sie dem Einsatz von Cookies zu. Mehr über Cookies erfahren Sie hier.