Kunstmuseum Singen

Curth Georg Becker (1904-1972) im Kunstmuseum Singen


Curth Georg Becker, Trauernder Mann / Abschied, 1953
Öl auf Leinwand, 79,5 x 99,6 cm 
Kunstmuseum Singen, (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2018


Jenseits aller persönlichen Trauer und Bedrückungen, denen Curth Georg Becker 1952/53 ausgesetzt war – seine Mutter Antonie, der er zeitlebens tief verbunden blieb, starb 1952; Becker war gezwungen bis 1954 mit seiner Familie in einem kargen Notquartier bei Gaienhofen zu hausen – ist das Gemälde (WVZ G 215) ein charakteristisches Beispiel für jene „Trauerbilder“, denen in der Kunst der unmittelbaren Nachkriegszeit große thematisch-inhaltliche Bedeutung zukam.

Vor unseren Augen breitet Curth Georg Becker den ganzen Reichtum seiner entwickelten, an Henri Matisse (1869-1954) geschulten malerischen und gestalterischen Möglichkeiten, aus. Was uns heute erstaunen mag, ist die Stille des Bildes. Die Klage wird – zeittypisch – weder verzweifelt, noch expressiv vorgetragen. Die Ruhe, die das Bild ausstrahlt, ist eher wehmütig, ja melancholisch – eine Haltung, welche die Nachkriegsjahre vielfach bestimmte. Wohl empfand man das Glück, der Tyrannei entgangen zu sein, die Zerstörung überlebt und die allergrößte Not überwunden zu haben. Und doch blieb der Schmerz ob des Leids und all der erfahrenen Verluste. Wie nicht wenige seiner Zeitgenossen, so scheint auch Curth Georg Becker die frühen Jahre der Bundesrepublik als Zeit aufkeimender Hoffnungen aufgefasst zu haben.

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